Tagungsbericht vom Bundestreffen der Psychoseseminare in Köln vom 22.bis 24.11.19

Zu Beginn der Tagung am Freitag den 22.11.19 wurde vom Vorbereitung und Organisationsteam mit einer kurzen Vorstellungsrunde die Fachtagung eröffnet. Im Plenum das aus Teilnehmern die aus der ganzen Republik und vereinzelt auch aus Österreich angereist waren, wurde das Thema „Wie haben wir das Psychoseseminar bislang erlebt“ aufgenommen. Es war schnell zu erkennen, dass die Grundlage in den Psychoseseminaren und Trialogen überall ähnlich aufgebaut ist. Aber es im Einzelnen auch klare Unterschiede gibt.  Schon in der Namensgebung war zu spüren, dass das Wort Psychoseseminar von einigen Teilnehmern nicht mehr als ausreichend angesehen wurde. Sie versuchen mit Namen wie Trialogforum oder ähnlichem der Gesprächsrunde einen anderen Schwerpunkt zu geben und die Veranstaltung mehr für andere Interessengruppen aus dem psychiatrischen Umfeld zu öffnen. Auch das Herausgehen aus den festen Institutionen wurde als interessante Alternative vorgestellt. ZB. einzelne Termine bei den Landfrauen oder in Einrichtungen. Gerade in Ländlichen Gebieten ist Kreativität gefordert, um die Psychoseseminare und Trialoge am Laufen zu halten.

Im ersten Plenum war noch gut zu spüren, dass die Atmosphäre noch zurückhaltend war. Die Beiträge bezogen sich weniger aufeinander. Aber bei der Vielfalt  der Perspektiven ( Betroffene, Angehörige, Genesungsbegleiter, Initiatoren des Berliner Manifest, Fachpersonal zB. aus Sozialpsychiatrischen Einrichtungen, aber auch Ärzte und Psychologen. )konnte man ahnen ,dass die Inhalte an Fahrt aufnehmen würden. Thomas Bock stellte im Anschluss auch einen Teil der verschiedenen Trialoge, die in Hamburg aus dem Psychoseseminar hervorgegangen sind vor. Nach einer Pause ging es im zweiten Plenum um das Thema Hometreatment. Es wurde von Angehörigen und Betroffenen von den positiven Erfolgen im Hometreatment berichtet. Auch Fachkräfte schilderten die positiven und sehr individuellen Behandlungen im eigenen persönlichem Umfeld der Betroffenen .Aber es gab auch negative Erfahrungen und dadurch auch einen Vorbehalt gegen das Hometreatment selbst. Es wurde deutlich, wie stark die positive Erfahrung von der Haltung des aufsuchenden Teams abhängig ist. Und dass das Umfeld zu Hause oder in der Einrichtung eine starke tragende Rolle spielen muss, damit die Behandlung zu Hause seine Wirksamkeit entfalten kann. Beim anschließenden Abendessen konnte man sich weiter austauschen und neue Kontakte knüpfen.

Am Samstag den 23.11.19 wurde die Veranstaltung mit einer kurzen Zusammenfassung vom Vortag für die neu angereisten Teilnehmer eröffnet .Im Plenum wurden dann Themen gesammelt, die in der Plenumsrunde und in den Kleingruppen besprochen werden sollten, über die Auswahl wurde abgestimmt. Im ersten Plenum ging es um den Schwerpunkt Krankheitseinsicht. Es gab eine rege Beteiligung an Beiträgen, dadurch das zwei Mikrofone die Runde machten wurde es etwas unruhig da es schwer war die Übersicht bei den Wortmeldungen zu behalten .Das Wort „ Krankheitseinsicht“ brachte viele kontroverse Beiträge. ZB. „ Für wen ist die Krankheitseinsicht wirklich wichtig( Arzt oder Patient ), fühlt sich der Betroffene denn krank?, kann Eigensinn und Uneinsichtigkeit nicht eher zu einem stabilen Gesundheitszustand führen ?. Nach der Pause ging es im zweiten Plenum in großer Runde um das Thema Angst. Da nur noch ein Mikrofon die Runde machte und moderiert begleitet wurde, war die Stimmung deutlich entspannter und es kam zu sehr berührenden und persönlichen Wortmeldungen .Angehörige berichteten von der Angst vor aber auch um ihre betroffenen Angehörigen. Die Betroffenen berichteten von stark ausgeprägter Angst vor Medikamenten, Gewalt und Zwang. Aber auch von Ängsten, die zB. in der Psychose oft dauerhaft vorhanden waren. Fachleute stellten ihre Ängste dar. Oft ist es die Angst um ihre Patienten bei drohendem Suizid, aber auch Angst vor dem sehr aggressiven Gegenüber und deren Handeln. Danach ging es in Kleingruppen, um die Themen Moderation, Formale Themen und Zwangsmaßnahmen. Wir haben uns für das Thema Zwangsmaßnahmen entschieden. Es ging im Kern um guten und schlechten Zwang. Auch wie mit Suizidgedanken und deren Äußerungen umgegangen wird. Klar wurde, dass Zwang fast immer aus sehr schlechter Kommunikation resultiert. Als wichtig wurde auch festgehalten, dass Institutionen wie Polizei und Feuerwehr ,aber auch Stationspersonal gut in Fortbildungen geschult werden. Vorrausgegangene Gewalterfahrungen verstärken die Bereitschaft zu Isolieren und zu Fixieren. Und schon eine Androhung von der Medikamentenerhöhung ist Zwang. Es war beeindruckend, wie gut es gelungen ist die ganz unterschiedlichen Wortmeldungen nebeneinander stehen zu lassen. In den zweiten Kleingruppen gab es die Themen: Moderation, formale Themen, und Mut / Mutmacher. Wir haben an der Gruppe Mut teilgenommen. Von Betroffenen wurde geschildert, dass es ihnen Mut gemacht hat, dass eine negative Prognose über sie nicht eingetroffen ist. Auch ein positives Behandlungssetting macht Mut. Bei den Angehörigen war zu spüren, dass es viel Kraft kostet ,die Veränderung in der Familie auszuhalten und aus der Veränderung dann auch noch Kraft zu schöpfen. Es gab einige positive Mut machende Beispiele. Von Fachpersonal wurde erklärt, wie mutmachend neue Behandlungsmethoden wie Hometreatment ,Stäb und Soteria sein können. Vor allem um Patienten zu erreichen ,die sonst durch das Versorgungsnetzt fallen .Im Anschluss stellten alle Kleingruppen ihre Arbeit vor.

Am Sonntag gab es eine Feedbackrunde, in der schnell viele interessante Aspekte durch Wortmeldungen in die Runde kamen. Sicherlich erst am dritten Tag, da man viele Gedanken vorher reifen und sacken lassen musste. Es ging nochmal um die Trialog Website mit Ideensammlung. Aber auch um Deutung von Wortinhalten, über die Worte Macht und Herrschaft und um das Aufsuchen von Teilnehmern der Psychoseseminare auf Klinikstationen, um dort kleine trialogische Gesprächsrunden anzubieten .Eine Referentin stellte im Anschluss das Projekt Recovery College in Bremen vor. Ein neues Hilfsangebot mitten im Lebensumfeld.

Alles in allem eine sehr gelungene Fachtagung. Mit kleiner Verbesserungsmöglichkeit im Bereich der Abendgestaltung. Ein gemeinsames Abendprogramm würde dem Austausch dienen und mehr neue Kontakte ermöglichen.

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